Nützlinge fördern statt Schädlinge vernichten
Strategie gegen Blattläuse
Temperaturstürze, Hitze und Trockenheit - und fast über Nacht verbreiten sich Blattläuse massenhaft. Sie schädigen die Pflanzen, indem sie die Blätter ansaugen und ihnen Nährstoffe entziehen. Zum Glück helfenVerbündete gegen die Plage.
Besonders anfällig auf Blattläuse sind mit Stickstoff getriebene oder schwächliche Gewächse. Wichtig ist deshalb eine ausgewogene Pflanzenkost. Viel nützt keineswegs viel: Als Richtlinie für die Grunddüngung gelten ein bis zwei Schaufeln Kompost pro Quadratmeter und Jahr, also vier bis acht Liter. Es bewährt sich, immer wieder einmal eine neue, jedoch dünne Schicht Kompost auszubringen.
Vorbeugend gegen Blattläuse helfen Knoblauch, Salbei oder Bohnenkraut als Nachbarpflanze. Bei plötzlichem Massenbefall ist die Versuchung jedoch besonders gross, mit scharfem Geschütz gegen die unappetitlichen Sauger loszuziehen. Doch kaum ein Schädling ist so vielen Feinden ausgesetzt wie die Laus.
Fressen und gefressen werden
Ein einziges Marienkäferchen verspeist pro Tag rund 50 Blattläuse. Während seiner Lebenszeit sind das immerhin einige Tausend. Für die 1,5 bis 15 Millimeter grossen Larven der Marienkäfer sind Läuse und Spinnmilben sogar Hauptnahrung.
Gut zu wissen: Die Anzahl Jäger und ihre Beute reguliert sich naturgemäss ganz von selbst. Also geben Sie den Nützlingen eine Chance! Etwa auch der Florfliege. Ihre Larven heissen sehr treffend «Blattlauslöwen».
Schwebfliegen spielen bei der Bestäubung von Blüten eine wichtige Rolle. Auch bei ihren Larven stehen Blattläuse ganz oben auf der Speisekarte.
Sogar der Ohrwurm geht nachts auf Blattlausfang. Tagsüber benötigt er einen geeigneten Unterschlupf. Bewährt haben sich Töpfe, die kopfüber in Sträucher oder Bäume gehängt werden und mit Holzwolle, Stroh, Heu oder Schilfhäcksel ausgestopft sind.
Milchkühe der Ameisen
Freunde der Blattläuse sind hingegen Ameisen. Sie halten sie sich als Milchkühe, beschützen sie und tragen sie sogar an geeignete Saftquellen. Ameisen massieren und streicheln den Blattlauskörper so lange, bis die Laus eine süsse, klebrige Flüssigkeit abgibt.
Dieser sogenannte Honigtau ist heiss geliebtes Naschwerk für Ameisen. Leider ist er aber auch Brutstätte für Pilze, die Russtau verursachen. Dieser schwarze, klebrige Belag auf Blättern und Früchten ist nicht nur ein ästhetisches Problem: Er behindert die Photosynthese, also die Energiegewinnung der Pflanze mithilfe des Sonnenlichts.
Mit sanften Mitteln zum Ziel
Ziemlich mühsam, aber eine mögliche Prozedur: Den Russtau auf Blättern von Kübelpflanzen wie Oleander oder Zitrusgewächsen mit Wasser und ein bisschen Spülmittel abwaschen. Falls Blattläuse doch einmal überhandnehmen, hilft als erste Massnahme ein kräftiger Wasserstrahl aus dem Gartenschlauch. An Rosenknospen kann man die Plagegeister mit Handschuhen abstreifen.
Rezept zum Ausprobieren: Rhabarberblätter in einen Kessel füllen, mit kochendem Wasser übergiessen und auskühlen lassen. Diese Brühe auf befallene Pflanzen sprühen; im Abstand von einigen Tagen wiederholen.
Spritzungen von Tee aus Wermut, Pfefferminze oder Thymian helfen auch: 500 Gramm frisches Kraut mit zehn Liter kochendem Wasser überbrühen und auskühlen lassen. Absieben und über Blattlauskolonien sprühen.
Edith Beckmann
Tierwelt, Nr. 22,