Reptilien und Amphibien im Regenwald-Terrarium pflegen
Im üppigen Grün eines Regenwald-Terrariums leben beispielsweise Anolis in ihren Verstecken. Diese kleinwüchsigen Echsen eignen sich gut zur Pflege in Heimterrarien. Sie mögen das eher feuchte Klima.
Bei der Nachbildung eines tropischen Lebensraumes, einer Moorlandschaft, ja eines Regenwaldes oder eines Nebelwaldes wird man nach dem optimalen Feuchtigkeitsspender Ausschau halten müssen.
Tropischer Regen
Im Regenwald-Terrarium kann zweimal täglich aus vielen kleinen Düsen ein Regenschauer niedergehen. Hierfür wird enthärtetes Wasser verwendet, das in einem Behälter von rund 30 Liter vorrätig ist. Über einen Schlauch entnimmt eine Druckpumpe das Wasser und presst es durch die am andern Ende montierten Spritzdüsen. Der Schlauch und die montierten Düsen müssen dem Druck der Pumpe natürlich standhalten können; so müssen alle Verbindungen mit Briden gesichert sein, damit eine ungewollte Überschwemmung ausgeschlossen wird. Das Material für diese selbst gebaute Regenmaschine erhält man beispielsweise bei einem Geschäft für Campingartikel. Eine Pumpe, die einen Druckaufbau von 2,8 Bar erbringt, sollte für diese Zwecke vollends genügen. Den drucksicheren Schlauch und die Spritzdüsen erhält man im Gartenfachhandel. Die Düsen in mehreren Ausführungen und Grössen werden dort für Pflanzenspritzgeräte angeboten.
Damit der Regen zeitlich beschränkt - also nur für kurze Zeit - und immer zur gleichen Uhrzeit niedergeht, empfiehlt es sich, die Anlage über eine programmierbare Schaltuhr zu betreiben. Hierbei ist zu beachten, dass der Vorratsbehälter niemals leer wird, ansonsten könnte die Pumpe Schaden nehmen. Zudem ist der Abfluss des Regenwassers mit einzukalkulieren. Staunässe in einem Bodengrund aus Blumenerde würde schnell Fäulnis hervorrufen und die Pflanzen absterben lassen. Hier wären Pflanzen empfehlenswert, die in Hydrokulturen kultiviert werden. So wäre es auch möglich, das überschüssige Wasser über einen Filter, der die Schwebstoffe entfernt, direkt wieder in den Vorratsbehälter laufen zu lassen.
Eine weitere sehr empfehlenswerte Möglichkeit, die Terrarienluft mit Feuchtigkeit anzureichern, sind sogenannte Ultraschallvernebler. Diese Geräte vermitteln die ideale Illusion tropischer Nebelschwaden, die langsam aufsteigen und die Landschaft eines Terrariums langsam, aber sicher in einen geheimnisvollen Schleier verhüllen. Der erzeugte Nebel ist nichts anderes als durch das Ultraschallgerät hervorgebrachte, sehr fein verteilte Wasserpartikel.
Für den Betrieb wird das Gerät in einer Wasserschale unter der Wasseroberfläche aufgestellt und angeschlossen, so kann sich der künstliche Nebel ausbreiten. Die Ultraschallvernebler gibt es in mehreren Grössen für kleinere und grössere Terrarien zu kaufen. Die Geräte und ihr Unterhalt haben ihren Preis, dafür stellen sie eine zuverlässige Variante dar, das Terrarium mit Feuchtigkeit zu versorgen.
Eine weitere Möglichkeit, eine Nebelmaschine zu installieren, stammt aus dem Haushaltfachgeschäft. Gemeint sind damit sogenannte Kaltluftreiniger. Sie werden über dem Terrarium aufgestellt und zusätzlich mit jeweils einem flexiblen, nach unten ins Terrarium führenden Schlauch nachgerüstet. Die Schläuche können beispielsweise von Staubsaugern stammen. Wichtig ist, dass die an den Ausläufen des Kaltluftreinigers montierten Schläuche straff nach unten gerichtet sind. Damit ist gewährleistet, dass der Nebel ins Terrarium gelangt und sich nicht an den Schlauchwänden niederschlägt.
Auch hier dient eine Schaltuhr zur zeitlichen Begrenzung der Feuchtigkeitszufuhr. Als ideal erweisen sich eine morgendliche und abendliche Benebelung von 5 bis 10 Minuten.
Ein Garten in luftiger Höhe
Im Regenwald-Terrarium wie auch im Aquaterrarium stellen Epiphytenstämme eine Besonderheit dar - und dies erst noch eine pflegeleichte. Epiphyten sind Pflanzen, die auf anderen Pflanzen gedeihen, seien dies nun Bäume, Sträucher, ja selbst auf Telefonmasten wachsen sie. Die Epiphyten beziehen alles Notwendige zum Wachsen aus der Luft, über den Regen oder Nebel und aus dem spärlichen Humus in den Astgabeln der Bäume, auf denen sie festsitzen. Somit schädigen sie ihre Wirte nicht, ganz im Gegenteil, denn sie zählen zu den autarken Pflanzen. Darunter befinden sich Bromelien, Tillandsien und andere.
Damit nun diese Pflanzen im Terrarium eine dauerhafte Möglichkeit bekommen, auf einem Epiphytenstamm zu wachsen, muss ihnen eine geeignete Unterlage angeboten werden. Eine gute Resistenz gegenüber Feuchtigkeit zeigen etwa Rebenholz oder Eichenwurzeln. Ebenso könnte die Rinde der Korkeiche für einen Epiphytenstamm infrage kommen - besonders dann, wenn für bestimmte Pflanzen etwas mehr Raum für die Unterbringung des Substrates benötigt wird. Bei wieder anderen Pflanzen reicht schon sehr wenig Substrat in Form von sogenannter Orchideenerde. Die Erde und die Wurzelballen werden zusammen in Moospolster oder Kokosnussfasern mit Blumendraht eingewickelt, bis kleine Ballen entstehen. Diese lassen sich dann wiederum gut in den Astgabeln eines Epiphytenstammes platzieren.
Pflanzen- und tierfreundliche Materialien
Das Auskleiden des Lebensraumes mit gepressten Korkplatten oder Baumfarnplatten ist sehr beliebt. Diese gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen zu kaufen. Sie werden mit Silikon direkt auf die Glasscheiben geklebt. Zudem werden Blähtonkügelchen gerne als Bodengrund verwendet. Hinzu kommt als Kontrast die entsprechende Bepflanzung aus Bromelien und weiteren Gewächsen. Wichtig sind auch lebensraumgestaltende Elemente für die Tiere. Zum Ablaichen werden beispielsweise manchen Pfeilgiftfröschen alte Filmdosen oder halbierte Kokosnussschalen, unter denen sich je eine Petrischale befindet, angeboten.

Hans Gonella
Tierwelt, Nr. 22,