Das naturnahe Napfbergland im Maienflor
Nun erobert der Frühling auch die höher gelegenen Regionen der Schweiz. Beim Überqueren des Napfberglandes von Süden gegen Norden lässt sich die Entwicklung der Vegetation gut beobachten.
Das Napfbergland im Westen des Kantons Luzern ist stolz auf seinen goldenen Boden und seinen Wald. Aus Nagelfluhgestein stammt das Edelmetall in den Bächen, Holz bedeutet Rohstoff für die Arbeit der letzten Köhler. Zum wichtigsten Reichtum dieser Landschaft am Alpenrand allerdings zählt ihre Naturschönheit. Auf unserer Wanderung vom Bramboden nach Menzberg werden wir sie kennenlernen.
Ein kleines Postauto schraubt sich von der Bahnstation Hasle im Entlebuch zum Bramboden hoch.
Wo Reh und Gämse leben
Zu den Stammgästen auf kurvenreicher Fahrt gehören Goldwäscherinnen und Goldwäscher, die in den schluchtartig eingetieften Gräben des Napfberglandes ihrem Hobby nachgehen. Sie freuen sich, dass jetzt im Frühling ihre Chancen besonders gut stehen. Die hohe Wasserführung nach der Schneeschmelze hat nämlich viele neue Goldflitterchen aus dem Gestein gelöst. Bis noch vor etwas mehr als hundert Jahren waren hier in den kalt-klaren Bächen professionelle Golder, wie sie genannt wurden, ihrem Handwerk nachgegangen.
Bramboden als Ausgangspunkt unserer Wanderung Richtung Norden nach Menzberg liegt bei 1053 m Höhe auf offener Geländezunge. Der Ort besteht im Wesentlichen aus Kirche, Gasthaus und Postbüro und ist das Zentrum einer ausgedehnten Streusiedlung. Zum Teil bis auf 1200 m sind die Einzelhöfe, sich an die Abhänge des verzweigten Napfmassivs klammernd, ganzjährig bewohnt.
Schon nach wenigen Schritten muss man der Aussicht wegen stehen bleiben: im Vordergrund das Mosaik von dunklen Wäldern und helleren Wiesenflächen, durchzogen von felsigen Abgründen; dahinter die Kette der Alpen, als deren nördlichster Vorposten sich der Napf mit seinem goldenen Boden betrachten darf.
Nur die erste Viertelstunde verläuft auf Asphalt, dann wird der Weg zum Flursträsschen und geht schliesslich, eine Weile der luzernisch-bernischen Kantonsgrenze folgend, in einen schmalen Gratpfad über. Die einsame Landschaft ist Heimat von Reh und Gämse. Auf der Stächelegg gilt es einen Entscheid zu treffen: Abstecher zur nahen Kulmination des Napf auf 1407 m oder direkter Weitermarsch hinunter gegen Menzberg? Wenn Zeit und Kräfte reichen, sei die einstündige Zusatzschlaufe zum Napf auf gleichem Hin- wie Rückweg lebhaft empfohlen.
Grenzpfad als Lehrpfad
Die Stächelegg selber liegt am «Grenzpfad Napfbergland», einem 75 Kilometer langen Natur- und Kulturlehrpfad zwischen St. Urban und dem Brienzer Rothorn. Auf den Informationstafeln ist allerlei Wissenswertes über die Wanderregion zu erfahren - dass etwa die Herstellung von Holzkohle, in waldreicher Region eine naheliegende Einkommensquelle, dank Subventionen noch immer blüht.
Von der Stächelegg verläuft zwischen dem Chrachengraben und der Waldschlucht der Enziwigger ein Gratweg mit angenehmem Gefälle bis zum Menzberg (1016 m). Dessen Lage auf aussichtsreicher Geländezunge erinnert an Bramboden zu Beginn der Tagestour: Auch hier gibt es eine Kirche, ein Gasthaus und eine Post, von wo aus gelbe Wagen die Streusiedlungen des Napfberglandes mit der Aussenwelt verbinden.
Menzberg hiess früher Menznauerberg und entwickelte sich im 19. Jahrhundert, als die Bevölkerung von Stroh- und Rosshaarflechterei lebte, zum viel besuchten Luftkurort. Der Ortsname leitet sich vom ersten Siedler her: Im frühen Mittelalter begann ein Menzo mit seiner Sippe hier den kargen Boden zu kultivieren.

Franz Auf der Maur
Route: Bramboden, Erigsmösli, Hohfahrni, Hängelenflue, Trimlen, Stächelegg - empfehlenswerter Abstecher zum Napf - Hengst, Chrotthütten, Gitzichnubel, Gmeinalp, Obere Waldegg, Oberlehn, Menzberg.

Wanderzeit: 4-5 Stunden mit 350 Metern Steigung und 400 Metern Gefälle. Abstecher zum Napf eine Stunde zusätzlich.

Öffentlicher Verkehr: Von Hasle an der Bahnlinie von Luzern über Wolhusen nach Bern mit dem Postauto zum Bramboden. Rückreise ab Menzberg mit dem Postauto nach Menznau an der Bahnlinie von Langenthal über Huttwil nach Wolhusen.

Karten: Landeskarte der Schweiz 1:25 000, Blätter 1149 «Wolhusen» und 1169 «Schüpfheim». Landeskarte 1:50 000, Blätter 234 «Willisau» und 244 «Escholzmatt». Wanderkarte 1:50 000, Blätter 234 T «Willisau» und 244 T «Escholzmatt».
Tierwelt, Nr. 18, 

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