Kaninchenapotheke
Klettenlabkraut - hilfreiche Kräfte in rauer Schale
Beim Streifen durch feuchte Waldsäume und Brachplätze kann es passieren, dass man sich von unsichtbarer Hand zurückgehalten fühlt. Unsichtbar ist es nicht, aber ziemlich unscheinbar, das Klettenlabkraut (Galium aparine), das sich mit seinen Borsten in die Kleider hakt und so auf sich aufmerksam macht. Es lohnt sich, ihm Aufmerksamkeit zu schenken, denn das Klebkraut gehört zu den Heilpflanzen, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind. Es wurde bereits in der Steinzeit verwendet, wie Funde in Siedlungsüberresten zeigen. Im alten Rom und Griechenland galt es als probates Mittel gegen Spinnen- und Schlangenbisse - eine Anwendung, die wir bei unseren Langohren wohl kaum brauchen. Aber Klettenlabkraut hat auch für die Kaninchenapotheke einiges zu bieten: Es ist blutreinigend, stimuliert das Lymphsystem und regt das Ausscheiden von Giftstoffen an. Neigt ein Kaninchen zu Bildung von Harngriess, hilft eine Kur mit täglich etwas Klebkraut. Dadurch werden die Harnwege durchgespült, Nieren- und Blasengriess ausgeschieden und Entzündungen in Niere und Blase gelindert.
Klebkraut enthält viele Mineralien, vor allem grosse Mengen an Kieselsäure, die den Langohren zu einer gesunden Haut und einem schönen Fell verhelfen. Verfüttert man es regelmässig während der Haarung, ist dies eine optimale Vorbereitung auf die Ausstellungssaison. Bei Fellmilben wird es als unterstützende Behandlung gereicht, ebenso bei allen Hautproblemen. Offene Läufe, Abszesse und Zahnfachentzündungen sind weitere Krankheiten, bei denen das Klebkraut seine besten Heilkräfte entfalten kann. Zu seinen Stärken gehört die Linderung von Verletzungen, Entzündungen, Geschwüren und Eiterungen im Mundraum.
Ausser Mineralien findet man Gerbstoffe, ätherisches Öl, wenig Saponin und verschiedene Glykoside. Trächtigen Häsinnen kann man es kurz vor der Geburt als geburtserleichterndes Mittel reichen. Nach Krankheiten hilft das stärkende und reinigende Kraut den Langohren schneller wieder auf die Läufe. Die besänftigende Wirkung auf entzündete Magen- und Darmschleimhäute macht es zu einer idealen Nahrungsergänzung in Beständen mit wiederkehrenden Verdauungsproblemen. In alten Schriften wird Klettenlabkraut zur Behandlung von Geschwüren und Tumoren empfohlen. Aus diesem Grund ist Klebkraut gerade auch für ältere Kaninchen ein empfehlenswertes Zusatzfutter.
Klettenlabkraut sollte man frisch geben, seine Heilkräfte sind so am grössten. Die meisten Tiere fressen das Pflänzchen trotz seinem kratzigen Äusseren gern. Im Krankheitsfall wird es auch von Kaninchen gefressen, die in gesunden Tagen einen Bogen darum gemacht haben. Kaninchen haben ein gutes Gespür für Heilpflanzen und merken, welches Kraut ihnen hilft.

Ursula Glauser
Tierwelt, Nr. 22, 

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